Zitat #29
6. Juni 2010, 13:15In der Konfrontation mit der Wirklichkeit sind die Erwartungen stets unterlegen.
Was mathematisch ungewöhnlich wenig wahrscheinlich ist, hat die Eigenschaft, dass es zuweilen dennoch eintrifft.
(Stanislaw Lem – Fiasko)
In der Konfrontation mit der Wirklichkeit sind die Erwartungen stets unterlegen.
Was mathematisch ungewöhnlich wenig wahrscheinlich ist, hat die Eigenschaft, dass es zuweilen dennoch eintrifft.
(Stanislaw Lem – Fiasko)
La caméra, l’appareil photo enregistrant l’image, mais l’effacent en même temps. Je pense que le cerveau fait le même travail quand on se remémore des événements. On les efface et on les réécrit d’une manière plus synthétique. La mémoire, c’est une machine à oublier.
(Michel Gondry)
Es liegt nicht im Wesen der menschlichen Natur, einzig von Erinnerungen zu leben, und so wie die Pflanzen und jegliches Gebilde Nährkraft des Bodens und immer neu gefiltertes Licht des Himmels brauchen, damit ihre Farben nicht verblassen und die Kelche welk zerblättern, so bedürfen selbst Träume, auch sie, die scheinbar unirdischen, einer gewissen Nahrung vom Sinnlichen her, einer zarten und bildhaften Nachhilfe, sonst gerinnt ihr Blut und ihre Leuchtkraft verblaßt.
Dans le vieux parc solitaire et glacé
Deux spectres cherchent le passé. (Verlaine)
(Stefan Zweig – Die Reise in die Vergangenheit)
So wurde mir klar, dass ich sie nicht mehr liebte. Es war wie eine verheilte Wunde, ihr Anblick rief dankbare Erinnerungen in mir wach, aber er liess mich nicht mehr erzittern, ich spürte, dass ich ihr nahe sein konnte, ohne zu leiden, dass ich mich von ihr entfernen konnte, ohne Schmerz zu empfinden.
(Umberto Eco – Baudolino)
“Ich schiesse gerne Tiere!”, sagte Herr Arnold.
(Akif Pirinçci – Der Rumpf)
Sie bleiben stehen, drehn sich einander zu. Jeder sieht den Himmel hinter dem Kopf des andern, das blasse spätnachmittagliche Blau, keine Wolkenzüge. Sie mustern sich unverhohlen. Nackte Blicke. Preisgabe, versuchsweise. Das Lächeln, zuerst bei ihr, dann bei ihm, spöttisch. Nehmen wir es als Spiel, auch wenn es Ernst ist. Du weißt es, ich weiß es auch. Komm nicht zu nah. Bleib nicht zu fern. Verbirg dich. Enthülle dich. Vergiß, was du weißt. Behalt es. Maskierungen fallen ab, Verkrustungen, Schorf, Polituren. Die blanke Haut. Unverstellte Züge. Mein Gesicht, das wäre es. Dies das deine. Bis auf den Grund verschieden. Vom Grund her einander ähnlich. Frau. Mann. Unbrauchbare Wörter. Wir, jeder gefangen in seinem Geschlecht. Die Berührung, nach der es uns so unendlich verlangt, es gibt sie nicht. Sie wurde mit uns entleibt. Wir müßten sie erfinden. In Träumen bietet sie sich uns an, entstellt, schrecklich, fratzenhaft. Die Angst im Morgengrauen, nach dem frühen Erwachen. Unkenntlich bleiben wir uns, unnahbar, nach Verkleidung süchtig. Fremde Namen, die wir uns zulegen. Die Klage in den Hals zurückgestoßen. Trauer verbietet sich, denn wo sind die Verluste?
Ich bin nicht ich. Du bist nicht du. Wer ist wir?
(Christa Wolf – Kein Ort. Nirgends)
Danke B.
Jetzt kommt ihr schlechte Gedanken, jetzt weil ich schwach bin und verdorbenen Magen habe. Gerade jetzt wollt ihr euch durchdenken lassen. Nur darauf was euch wohltut habt ihr es abgesehen. Schämt euch, kommt ein andermal, wenn ich kräftiger bin. Nützt meinen Zustand nicht so aus.
(F. Kafka – Tagebücher 1909-1912)
Heute früh zum ersten mal seit langer Zeit wieder die Freude an der Vorstellung eines in meinem Herzen gedrehten Messers.
(F. Kafka – Tagebücher 1909-1912)
Jeder Arbeitnehmer – ein schönes Wort, er nimmt die Arbeit ja gar nicht, sondern er macht sie … und jeder Arbeitgeber – auch ein schönes Wort, er gibt sie nicht, sondern er nimmt sie, weil er sie braucht und bezahlt …
(M. Frisch – Forderungen des Tages)
Ob ich hier unten in der Abflussrinne liege und das Regenwasser staue oder oben mit den gleichen Lippen Champagner trinke, mir macht das keinen Unterschied, nicht einmal im Geschmack.
(F. Kafka – Tagebücher 1909-1912)
Wir leben in einem Zeitalter der Reproduktion. Das allermeiste in unserem persönlichen Weltbild haben wir nie mit den eigenen Augen erfahren, genauer: wohl mit eigenen Augen, doch nicht an Ort und Stelle; wir sind Fernseher, Fernhörer, Fernwisser…
(M. Frisch – Stiller)
Ach Freund geht es nicht auch dir so?
ich kann nur lieben
was ich die Freiheit habe
auch zu verlassen:
dieses Land
diese Stadt
diese Frau
dieses Leben
Eben darum lieben ja
wenige ein Land
manche eine Stadt
viele eine Frau
aber alle das Leben.
(Wolf Biermann)
Die Champs-Élysées entlang brechen die Einfälle aus mir hervor wie Schweiß. Ich sollte reich genug sein, um eine Sekretärin zu haben, der ich beim Gehen diktieren könnte, denn meine besten Einfälle kommen mir immer, wenn ich nicht an der Schreibmaschine sitze.
Man kann hier (Paris) an den Mauern lesen, wo Zola und Balzac, Dante und Strindberg und jeder, der jemals etwas war, gewohnt haben. Jeder hat hier irgendwann einmal gelebt. Niemand stirbt hier.
(H.Miller – Wendekreis des Krebses)
“I copy that” is walkie-talkie talk for – I understand, will do, gotcha, ok, alright, yup, uh-huh, and much more depending on the inflection of the voice.
Source: icopythat.blogspot.com
Er lehrt sie die Freiheit, die Liebe, die Leidenschaft; sie läßt sich verführen und verwendet danach alles, was er sie gelehrt und ihr mitgegeben hat, gegen ihn oder lebt es ohne ihn aus. Kurz, er bringt sie selbst so weit, dass sie sich von ihm befreien kann.
(Francois Truffaut – Biographie)